Emil Hermann Nacke

Coswiga
Emil Hermann Nacke im Coswiga

Wo wurde das erste sächsische Automobil gebaut?

Natürlich. In Coswig. Im Jahr 1900. Richtiger gesagt: in Kötitz, das erst 35 Jahre später mit der Stadt Coswig verschmelzen sollte. Aber den Namen unserer Stadt trug das erste sächsische Automobil Coswiga schon damals in die Welt hinaus.

Emil Hermann Nacke (1843-1933) hieß der Erbauer dieses schmucken Autos. Seine Maschinenfabrik E. Nacke stand auf der Naundorfer Straße – gegenüber der heutigen Emil-Hermann-Nacke-Straße.

1910 waren sieben verschiedene Pkw-Typen in der Fertigung. 1912 verkehrte der Nacke-Omnibus für 12 Personen auf eigenen Linien. Produziert wurde bis ca. 1930, zuletzt ausschließlich Nutzfahrzeuge: Busse, Lastwagen oder Feuerwehrfahrzeuge. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise brachten diese Produktion zum Erliegen; die Maschinenfabrik bestand bis zur Überführung in Volkseigentum 1948 unter dem Namen E. Nacke, später als VEB Turbowerke. Seit 1992 führen die Howden Turbowerke die stolze Geschichte der Fabrik fort.

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Emil Hermann Nacke

Nun hat sich in Coswig der gemeinnützige Emil Hermann Nacke e.V. unter Vorsitz von Jörg Morgenstern gegründet. Die Vereinsmitglieder haben sich die Bewahrung des industriellen und technikhistorischen Erbes von Emil Hermann Nacke, des ersten sächsischen Automobilbauers, zum Ziel gesetzt und wollen seine historischen Leistungen lebendig werden lassen. Dazu gehört die Schaffung und Pflege technischer Denkmale und Ausstellungsstücke zur Erinnerung an Emil Hermann Nacke und auch die Erforschung und Aufarbeitung der Industriegeschichte der Stadt Coswig über die Persönlichkeit Nackes hinaus.

 

Emil Hermann Nacke:

Emil Hermann Nacke

(1843-1933)

Chronologie

1843
Geburt am 29. Oktober in Groß-Wiederitzsch bei Leipzig

1857-1860
Besuch der I. Bürger- und Realschule in Leipzig

1860-1869
Studium zum Maschinenbauingenieur am Polytechnikum in Dresden

1869
Entwurf und Bau der Strohstofffabrik für die Thodesche Papierfabrik in Hainsberg vor Beendigung des Studiums

Studienreise nach England und Frankreich

1870
Konstrukteur in der Maschinenfabrik Hermann Gruson in Buckau bei Magdeburg
Gründung des Ingenieurbüros E. Nacke in Dresden

1883
Mitinhaber der Maschinenfabriken C. G. Kallert in Sprottau und Dresden
Baubeginn der eigenen Strohstofffabrik „Tännicht“ in Kötitz

1885-1890
Aufnahme der Strohstofffabrik „Tännicht“ in die Aktiengesellschaft Vereinigte Strohstoff-Fabriken, Mitgliedschaft Nacken im Vorstand und Technischer Leiter der AG

1886
Übernahme der Dresdner Maschinenfabrik als alleiniger Inhaber

1890
Austritt aus dem Vorstand der Vereinigten Strohstofffabriken
Konzentration auf die Maschinenproduktion in seiner Fabrik

1892
Verlegung der Maschinenfabrik E. Nacke von Dresden nach Kötitz

1895
Kauf des Anwesens „Weinberg Johannisberg“ in Naundorf (heute Radebeul) als Wohnsitz

1900
Beginn des Automobilbaus in der Maschinenfabrik E. Nacke
Bau der ersten Personenwagen mit dem Markennamen „Coswiga

1901-1913
Vorstandsmitglied im Verein Deutscher Motorfahrzeug-Industrieller Berlin

1904
Einführung des Kardanantriebs im Pkw-Bau
Beginn der Herstellung von Lastkraftwagen und Bussen

1906
Auslieferung eines Jagdomnibusses an den sächsischen König

1907
Teilnahme an der III. Herkomer-Konkurrenz

1908-1918
Bau von subventionierten kriegsbrauchbaren Lastkraftwagen

1909
Gründung der „Kraftwagen-Centrale Emil Nacke“ in Dresden

1912
Einrichtung erster eigener Omnibuslinien
Umzug der „Kraftwagen-Centrale“ nach Kötitz

1914
fast völlige Einstellung der PKW-Produktion

1918
Entwicklung und Aufnahme der Serienproduktion des ersten
Standard-Lkws Typ III K mit Kardanantrieb
Fortsetzung der Produktion von Nutzfahrzeugen, verstärkt für den Export

1925
Einsatz des Schneckenantriebs bei der gesamten Fahrzeugpalette

1929
Rückgang der Fahrzeugproduktion durch die einsetzende Weltwirtschaftskrise

1933
Tod am 30. Mai in Kötzschenbroda, Stadtteil Naundorf

Einstellung der Fahrzeugfertigung